Eine Reise an die Grenzen des Vorstellbaren mit Musik und Literatur
Premiere: 31. Oktober 2002, Theater Stok Zürich
Null und Unendlich sind Herausforderungen für unsere Vorstellungskraft, und wer sich auf sie einlässt, lebt gefährlich. In der Mathematik fressen die beiden Grössen Zahlen auf: Dividiert man eine beliebige Zahl durch Null, erhält man Unendlich, dividiert man sie durch Unendlich, ist das Ergebnis Null. Wo eben noch Vielfalt war, herrscht jetzt Leere – oder Grenzenlosigkeit.
Doch die Macht von Null und Unendlich beschränkt sich nicht auf Zahlen. Ihre Geschichte hat auch Menschenleben gekostet. So wurde 1600 der Theologe Giordano Bruno für seine Behauptung, der Kosmos sei unendlich, als Ketzer verbrannt. Die moderne Physik schliesslich berichtet von der Existenz schwarzer Löcher: erloschener Sterne, die in sich selbst zusammengefallen sind. Sie reissen ein Loch – eine Null, ein Nichts - ins Universum, das alles, was sich ihm nähert, verschlingt und für immer verschwinden lässt.
Aber: Null und Unendlich machen uns rechnen. Ohne sie wären weder die heutige Mathematik noch die moderne Physik denkbar. Hat man das Konzept des Nichts und der Unendlichkeit erst einmal akzeptiert, öffnen sich neue Welten: In den Naturwissenschaften, in Philosophie, Religion und Kunst und – durch die Errungenschaften der Technik – in unserem Alltag.
Der schöpferischen und zerstörerischen Kraft, den schillernden, kaum zu fassenden Eigenschaften von Null und Unendlich ist unsere literarisch-musikalische Produktion gewidmet.
|
|
Programm
Steve Reich (*1936):
Vermont Counterpoint für Flöte Solo
Charles Seife:
aus: Zwilling der Unendlichkeit. Eine
Biographie der Zahl Null
Johann Sebastian Bach (1685–1750): Partita B-Dur für Klavier
Fjodor Michailowitsch Dostojewskij (1821–1881):
aus: Der Spieler
Erwin Schulhoff (1894–1942):
Hot Sonate (Jazz-Sonate) für Alt-Saxophon und Klavier (Bearbeitung für Querflöte)
PAUSE
Marguerite Yourcenar (1903–1987):
aus: Wie Wang-Fu errettet wurde
Francis Poulenc (1899–1963)
Sonate für Flöte und Klavier. 2. Satz: Cantilena. Assez lent
Simon Singh (*1964):
aus: Fermats letzter Satz. Die abenteuerliche
Geschichte eines mathematischen Rätsels
Charles Seife:
aus: Zwilling der Unendlichkeit. Eine Biographie
der Zahl Null
Jean-Jacques Dünki (*1948):
PIPIA. Auftragswerk für Flöte und Klavier
Dieses Programm existiert auch in einer Kurzfassung ohne Pause. Dauer: ca. 55 Minuten.
Mitwirkende
Lesung: Katharina von Bock, Mathias Wendel
Flöten: Claire Genewein
Klavier: Stefi Spinas
Musikkonzept: Claire Genewein, Stefi Spinas
Textkonzept und szenische Einrichtung:
Kathrin Siegfried
|